Maritimes Sicherheitskolloquium - Rostock
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„Die zukünftigen maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr“ – 11. Maritimes Sicherheitskolloquium in Rostock
Am 10. August 2011 fand bereits traditionell das 11. Maritime Sicherheitskolloquium in Rostock statt. Diese etablierte Auftaktveranstaltung der Hanse-Sail in Rostock, fand auch wegen der anstehenden tief greifenden Strukturreformen der Bundeswehr, und damit der Marine, regen Zuspruch bei Teilnehmern und Medien. Zumal mit dem Thema „Die zukünftigen maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr“ eine passende Basis für die Diskussion geliefert wurde.

Fast 150 Teilnehmer beteiligten sich rege an der Diskussion beim diesjährigen Kolloquium
Der Geschäftsführer der Karl-Theodor-Molinari-Stiftung, Christian Singer, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung, auch im Namen des Mitveranstalters, dem Deutschen Maritimen Institut, die etwa 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dabei ging er besonders darauf ein, dass der Titel der diesjährigen Veranstaltung: „Die zukünftigen maritimen Fähigkeiten der Bundeswehr“ bewusst gewählt wurde. Die aktuellen sicherheitspolitischen Bedrohungen würden nicht nur einen teilstreitkraftübergreifenden Ansatz, sondern auch eine ressortübergreifende Politik notwendig machen. Besonders dankte Singer den beiden Schirmherren, dem Oberbürgermeister der Hansestadt Rostock, Roland Methling, sowie dem Amtschef des Marineamtes, Konteradmiral Dr. Horst-Dieter Kolletschke, für ihr Engagement.


Vom Planungsstab im BMVg Oberst i. G. Stefan Perschke
Nach den Grußworten der Schirmherren leitete Oberst i. G. Stefan Perschke, mit seinen Ausführungen zu den aktuellen Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR), in die Thematik ein. Durch seine Tätigkeit im Planungsstab des Verteidigungsministeriums konnte er insbesondere zu den aktuellen Bedrohungen, auch unter maritimen Aspekten, fundiert Stellung beziehen. In der anschließenden Diskussion wurde durch die Teilnehmer vor allem auf die Klarheit der Aussagen in den aktuellen VPR verwiesen, aber auch bedauert, dass es sich wiederum nur um ein Ressortpapier aus dem BMVg handele und keine ressortübergreifende Zustimmung erfolgt sei. 

Prof. Dr. Joachim Krause von der Christian-Albrecht-Universität Kiel
Der renommierte Politikwissenschaftler Joachim Krause von der Christian-Albrechts-Universität Kiel, setzte mit seinem Vortrag zu den zukünftigen sicherheitspolitischen Herausforderungen und der Rolle Deutschlands das Thema nahtlos fort. Seine Ausführungen zur zukünftigen Verschiebung machtpolitischer Zentren basierten auf neuesten Entwicklungen. Sein Fazit: Abnehmender Einfluss des Westens und damit einhergehend deutliche Verschiebung der Machtstrukturen in der internationalen Politik. Dies sorgte für reichlich Gesprächsstoff in der anschließenden Diskussion. Dabei stellte Prof. Krause aber auch die Chancen Deutschlands in der zukünftigen sicherheitspolitischen Perspektive heraus. Diese lägen in der europäischen Integration, der transatlantischen Bindung und dem festhalten Deutschlands am Multilateralismus. Dabei müsse jedoch den dargestellten Veränderungen in der internationalen Politik Rechnung getragen werden, so Krause.

Der stellvertretende Inspekteur der Marine Konteradmiral Heinrich Lange
Der stellvertretende Inspekteur der Marine, Konteradmiral Heinrich Lange, nutzte die Gelegenheit im nachfolgenden Vortrag, vor dem dargestellten Hintergrund sicherheitspolitischer Herausforderungen, auf die zukünftigen Fähigkeiten der Marine einzugehen. Dabei stellte der Admiral heraus, dass es der Marine auch in der Zukunft um den Erhalt eines möglichst breiten Fähigkeitsspektrums gehe. Denn einmal aufgegebene Fähigkeiten würden eine enorme Kraftanstrengung und vor allem lange Zeit benötigen, um wieder aufgebaut werden zu können. In der neuen Struktur werde auch die Marine vom Einsatz her denken und ein besonderes Augenmerk auf die teilstreitkraftübergreifende Einsatzfähigkeit richten. Breit, flexibel und skalierbar seien die Stichworte wenn es um zukünftige maritime Fähigkeiten gehe.

Major André Wüstner stellte den Mensch in den Mittelpunkt seiner Ausführungen
Die Menschen der Bundeswehr stellte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes (DBwV), Major André Wüstner, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die derzeitige Reform der Bundeswehr würde aktuell aus organisatorischer, technischer und administrativer Sicht zwar vielfach beleuchtet und diskutiert, dabei würde der Mensch aber zunehmend aus dem Blickfeld geraten. Major Wüstner stellte heraus, dass die bevorstehende Reform bereits die sechste tief greifende Veränderung sei, der sich die Menschen in den letzen 20 Jahren stellen müssten. Etwa alle drei Jahre mussten die Menschen in der Bundeswehr mit Unsicherheit, Neugestaltung und Veränderung umgehen. Dabei seien sie aber, anders als von vielen politisch und militärisch Verantwortlichen artikuliert, oftmals nicht im Mittelpunkt der Betrachtung gestanden. Die anstehende Strukturreform könne aber tatsächlich nur mit den Menschen in der Bundeswehr gelingen. Man müsse sie mitnehmen und ihnen Perspektiven für einen attraktiven Dienst in der Zukunft aufzeigen, um die Reform zum Erfolg zu führen, so sein Fazit. Einen guten Abschluss fand das maritime Kolloquium mit der Podiumsdiskussion zur Verantwortung und Rolle des Parlamentes gegenüber der Parlamentsarmee Bundeswehr. Dabei profitierte das Podium von der Expertise und gekonnten Moderation des Präsidenten des Deutschen Maritimen Institutes, Vizeadmiral a. D. Lutz Feldt. Zu Beginn des Podiums dankte der den teilnehmenden Abgeordneten ganz besonders dafür, dass sie sich trotz Parlamentsferien und Urlaubszeit der Diskussion stellen würden.

Das Podium moderiert von Vizeadmiral a. D. Lutz Feldt v. l.: MdB Karin Evers-Meyer, MdL Renate Holznagel und MdB Ingo Gädechens
Die Offenheit mit der sich die Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens (CDU / CSU Fraktion), Karin Evers-Meyer (SPD Fraktion) und die Vizepräsidentin des Landtages Mecklenburg Vorpommern Renate Holznagel, MdL, der Diskussion stellten, war bemerkenswert. Als Fazit wurde von allen Beteiligten des Podiums festgestellt, dass die Parlamentsbeteiligung auch in Zukunft Wesensmerkmal für den Einsatz der Bundeswehr bleiben müsse. Dies unterstreicht die besondere Verantwortung aller Parlamentarier gegenüber den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.
Mit einem Empfang auf dem Stützpunkt Warnemünde ging das 11. Maritime Kolloquium in Rostock, bei guten Gesprächen zu den diskutierten Themen, zu Ende.
Letzte Änderung am 18.8.2011