Der Weg weist nach Europa

Blick in die Vergangenheit und vor allem Zukunft der deutschen Marine: Das 16. Maritime Sicherheitskolloquium im Rostocker Rathaus bot ein spannendes Forum für Fachgespräche und Vorträge rund um maritime Sicherheitsfragen. Die Experten bei der vom DBwV-Bildungswerk und dem Deutschen Maritimen Institut organisierten Veranstaltung waren sich einig, dass die Herausforderungen größer werden. Große Hoffnungen setzen sie in eine engere europäische Zusammenarbeit.

Der Inspekteur hatte am Ende eine klare Botschaft: „Es ist wichtig, dass die Marine wieder wächst.“ Zu lange habe die Teilstreikraft von der Substanz gelebt, sagte Vizeadmiral Andreas Krause. Er setzt große Hoffnungen in die angekündigten Trendwenden Personal, Material und Finanzen. Aber: „Das sind drei richtig dicke Bretter.“ Krause, der am Tag der Veranstaltung Geburtstag feierte, warb um Unterstützung, damit die Umkehr gelinge. Er machte deutlich, dass die Marine bisher noch jeden Auftrag erfüllt habe und es auch weiterhin tue.

Wie wichtig diese Aufgaben sind, wurden an ein paar Zahlen deutlich. 85 Prozent des Handels mit Rohstoffen und Industriegütern werden über See abgewickelt. Deswegen „kann sich Deutschland den maritimen Sicherheitsanforderungen nicht entziehen, es kann sie aber auch nicht alleine bewältigen“, sagte Sebastian Feyock von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die Anstrengungen und das politische Handeln würden dieser Bedeutung nicht gerecht. Vor dem Hintergrund, dass etwa Russland und China auf den Weltmeeren immer aktiver würden, müssten Einsatzgeschwindigkeit und Flexibilität der Marine erhöht, Kapazitäten ausgebaut und die Präsenz auch in Nicht-Nato-Gebieten sichergestellt werden – so auch die Analyse von Sybille Reinke de Buitrago vom Hamburger Institut für Friedensforschung.

Konteradmiral Thorsten Kähler, Chef des Stabes im Marinekommando, skizzierte, wie sich die Aufgaben der Deutschen Marine gewandelt haben und weiter wandeln. So habe sich die Ostsee, ein „Meer des Friedens“, wieder als Operationsraum zurückgemeldet. Kähler zeigte sich besorgt über die Entwicklung der vergangenen Jahre. „Russland hat sich vom Prinzip der friedlichen Lösung territorialer Streitigkeiten verabschiedet.“ Die Marine müsse zur Fähigkeit der mehrdimensionalen Kriegführung und der Randmeeroperationen zurückkehren. Sie müsse aber immer auch humanitäre Operationen bewältigen können.

Über die europäischen Anstrengungen, eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik zu forcieren, berichtete Flottillenadmiral Jürgen Ehle von der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU. Die auf dem Gipfel in Bratislava versammelten EU-Regierungschefs hätten ein starkes Signal für eine Stärkung der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, kurz ESVP, gesendet. Der gemeinsame Brief der Verteidigungsminister Frankreichs, Italiens, Spaniens und Deutschlands sei ebenfalls ein Schritt zu einer neuen europäischen Sicherheitsagenda. An manchen Stellen fehle jedoch immer noch der politische Wille, wie sich bei den EU-Battle-Groups zeige, die noch nicht im Einsatz waren. Auch die europäischen Verträge setzten Grenzen, etwa mit Blick auf den Aufbau militärischer Fähigkeiten in Drittländern.

Hilmar Linnenkamp von der Stiftung Wissenschaft und Politik hatte die am weitesten gehenden Vorstellungen von einer europäischen Militärkooperation und -integration. Er kann sich sogar ein europäisches Verteidigungsministerium vorstellen, denn „28 Pentagons machen keinen Sinn.“

Der Vorsitzende Marine im DBwV, Fregattenkapitän Marco Thiele, freute sich über die informativen Gespräche und Vorträge beim Kolloquium. „Es ist wieder deutlich geworden, warum maritime Sicherheitsfragen und damit die Deutsche Marine so wichtig sind.“