Die Zeitmaschine angeworfen: Persönlichkeiten des Verbands erzählen, was den DBwV groß gemacht hat.

Von den Improvisationskünsten in den ersten Jahren zur gut organisierten Interessenvertretung

Geschichte(n) erzählen – das können sie: Beim vom DBwV-Bildungswerk ausgerichteten Zeitzeugenforum gaben Männer und Frauen, die den Verband maßgeblich prägten, tiefe Einblicke in dessen Historie und die der Bundeswehr. Sie nahmen das Auditorium in Berlin mit auf eine schillernde Zeitreise durch die vergangenen 60 Jahre.

Gut gelaunt moderierte Martin Michels, langjähriger Schatzmeister und Urgestein des DBwV, die Gesprächsrunden. Zunächst ging es um die Anfänge des Verbandes. Und die waren chaotisch, wie Gertraud Wistorf erzählte, die erste DBwV-Angestellte: Kein Geld, keine Infrastruktur, alles musste zunächst „auf Pump“ besorgt werden. „Was wichtig war in jener Zeit, war der Enthusiasmus der Ehren- und Hauptamtlichen.“ Diese Begeisterungsfähigkeit habe den Verband stark gemacht.

Herrmann Giesen, langjähriger Syndikus und Abteilungsleiter, skizzierte die Anfänge der politischen Arbeit: die Emanzipation als Interessenvertretung, die Organisation der Gremien. Giesen schilderte plastisch, wie er als junger Jurist den langjährigen Bundesvorsitzenden Heinz Volland zu einem Gespräch mit einem Vier-Sterne-General begleitete – und Volland selbstbewusst auf sein Mandat als „Stimme der Soldaten“ pochte.

Norbert Tebrügge, Bundesvorstandsmitglied in den frühen Jahren, meinte zur politischen Arbeit augenzwinkernd, dass sich eigentlich nichts geändert habe.
Er hielt eine kleine Broschüre hoch. „Das ist eine Studie des Verbandes zur Behebung des Unteroffiziermangels in der Bundeswehr – von 1963.“

Wie umstritten das Engagement des Verbandes für die NVA-Soldaten war, beschrieb Bernhard Gertz, langjähriger Bundesvorsitzender des DBwV. „Einige böse Kommentare hat es gegeben“, erinnerte sich Gertz. Aber die Entscheidung, allen Mitgliedern des DBwV-Pendants VBS (Verband der Berufssoldaten) die Mitgliedschaft im DBwV anzubieten, sei richtig gewesen.

Ökonomische Engpässe, politische Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit – das waren die Belastungen, mit denen sich die NVA-Soldaten konfrontiert sahen, ergänzte Horst Kirchhübel, langjähriger Landesgeschäftsführer Ost. „Es ging wie ein Aufschrei durch die Hardthöhe, als wir in NVA-Uniform die DBwV-Bundesgeschäftsstelle in Bonn besucht haben“,erinnert er sich an einen der ersten Kontakte mit den westdeutschen Kameraden 1990. Kirchhübel half dann, den Verband nach der Wiedervereinigung im Osten aufzubauen.

Karl „Charly“ Heid hat damals als Landesvorsitzender eine „Patenschaft“ über einen im Osten zu gründenden Landesverband übernommen. „Ich habe gespürt, dass wir uns als Soldaten gut verstehen, auch wenn wir unterschiedliche Uniformen trugen“, beschrieb Heid die ersten Begegnungen mit den NVA-Soldaten. „Wir sind dann Freunde geworden.“

„Der Verband hat mit seinen Entscheidungen zur Integration der Bundeswehr im Osten beigetragen“, bilanzierte Gertz abschließend.

Wie der Verband die Einsätze begleitete und besonders für die Abfederung und Versorgung von psychischen Einsatzschädigungen kämpfte, schilderte der frühere Bundesvorsitzende Ulrich Kirsch. „Was mich aber am meisten umtrieb, war die Unehrlichkeit, mit der die Politik die Einsätze beurteilte.“ Nur der Verband habe die ISAF-Mission schon früh Krieg genannt, sagte Kirsch. Zu der Zeit habe etwa Minister Franz Josef Jung noch von Einsatzunfällen gesprochen und nicht von Gefallenen. Dazu komme noch, dass häufig nicht das militärisch Notwendige vor Ort gewesen sei.

Schon früh kristallisierte sich heraus, dass die Ausrüstung der Bundeswehr oft nicht für die Einsatzaufgaben geeignet war. Bei der UN-Mission zur Vernichtung von Chemiewaffen im Irak Anfang der 90er sei das Material ungeeignet gewesen, sagte Jürgen Meinberg, langjähriges Bundesvorstandsmitglied des DBwV und damals Hubschrauberpilot. Deswegen habe man auf die Ausrüstung befreundeter Nationen zurückgreifen müssen. „Anders hätten die Männer den Auftrag kaum bewältigen können“, blickte Meinberg zurück. Auch in Sachen Lebensversicherungen habe der Verband erheblichen Druck ausüben müssen, bevor die Bundeswehr Ausfallbürgschaften übernommen habe. Erst mit der Einsatzversorgung sei das abschließend geregelt worden.

Rechtsanwalt Arnd Steinmeyer skizzierte das Ringen mit der Ministerialbürokratie bei Wehrdienstbeschädigungsverfahren, speziell mit Blick auf Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS). „Die Hindernisse und Verfahrenszeiträume führen zur Frustration bei vielen Soldaten“, sagte Steinmeyer. Sechs Jahrzehnte kollektives Verbandswissen beeindruckten die Gäste und Teilnehmer des Verbandstags nachhaltig – selten war Geschichte so lebendig.